
Praktisch hat sich rund um die Arbeit im Homeoffice in den letzten Jahren wenig verändert. Etwa die Hälfte der Angestellten in Deutschland kann remote arbeiten und macht dies auch im Schnitt an 1,5 Tagen in der Woche – in manchen Branchen auch länger. Ähnlich stabil zeigen sich Umfragewerte zu Produktivität oder Mitarbeiterzufriedenheit im Homeoffice. Trotzdem gibt es immer wieder Meldungen von großen Unternehmen, die eine Rückkehr ihrer Mitarbeitenden in die Büros forcieren. Das sind jedoch Einzelfälle und ein radikales Ende des Homeoffice wie bei Amazon zählt zu den absoluten Ausnahmen. Doch auch neben diesen einzelnen Entscheidungen bleibt das Thema Homeoffice medial präsent und die Debatten über das Für und Wider reißen nicht ab. Zuletzt befeuerte sie der Begriff des Arbeitszeitbetrugs zusätzlich.
Was passiert während der Arbeitszeit?
Hierzu gibt eine Studie zur Zeiterfassung von Ende 2024 etwas Auskunft. Befragt wurden rund 1000 Arbeitnehmende und knapp 400 Unternehmen. So zeigt die Studie ein Bild aus beiden Perspektiven und erfasste dafür Homeoffice wie Präsenzarbeit. Insgesamt erledigten etwa 70 Prozent der Arbeitnehmenden schon Privates während ihrer Arbeitszeit und auch verlängerte Pausenzeiten sind keine Seltenheit. Unternehmen registrieren das meistens und sieben von zehn berichteten von expliziten Unregelmäßigkeiten bei der Zeiterfassung. Ein Drittel von beziffert die Umsatzeinbußen daraus auf zehn Prozent. Einige fürchten sogar Verluste bis zu 20 Prozent. Als Gründe für ihr Handeln geben Angestellte häufig schlechte Bezahlung, Überstunden oder schlicht Unzufriedenheit an. Mehr Zufriedenheit im Büro etwa durch eine mitarbeiterorientierte Büroeinrichtung bleibt eine große Baustelle in der deutschen Wirtschaft. Gewerkschaften wie ver.di sehen eher die Überstunden als Wurzel des Problems und verweisen auf über eine Milliarde Stunden Mehrarbeit bei den Beschäftigten, von denen etwa die Hälfte unbezahlt geblieben sein soll.
Stichwort: Arbeitszeitbetrug
Die Studie zeigt, dass Arbeitszeiten im Büro wie zu Hause häufiger nicht so genau genommen werden. Zeiterfassungssysteme ändern daran wenig, denn an die 90 Prozent der Unternehmen arbeiten mit einer Zeiterfassung; oft digital und oft auch im Homeoffice. Weitergehende Kontrollen etwa durch eine Softwareüberwachung sind hierzulande nicht erlaubt, werden aber zum Beispiel in den USA häufiger zugeschaltet. Am Ende geht es hier jedoch nicht um eine Banalität oder ein Kavaliersdelikt. Fälschen oder manipulieren Angestellte ihre Arbeitszeit(erfassung), begehen sie einen Arbeitszeitbetrug. Arbeitgeber sind dann zu einer Abmahnung berechtigt, in wiederholten Fällen können Kündigungen ausgesprochen werden. Da es sich dabei außerdem um eine Straftat handelt, sind selbst strafrechtliche Folgen nicht ausgeschlossen, wenn auch eher selten. Für manche Kritiker lädt die Arbeit im Homeoffice dazu besonders ein, weswegen sie diesen Aspekt immer wieder herausstreichen. Sie verweisen dabei unter anderem auf die vielen Tipps und Tricks im Internet oder Tools in Onlineshops, mit denen sich lebhafte Bildschirmarbeit vortäuschen lässt. Die gibt es zweifellos, aber selbst grundehrliche Mitarbeitende können es kaum vermeiden, dass sich in ihren Arbeitstagen zu Hause Berufliches mit Privatem immer wieder vermischt. Eine strikte Fragmentierung ist im Homeoffice kaum möglich. Hier liegt andererseits ein großer Anreiz der Heimarbeit. Dazu bildet sie letztlich nur die Fortsetzung der schon früher bekannten Vertrauensarbeitszeit. Laut jüngsten Erkenntnissen des ifo Instituts vertrauen die meisten Unternehmen hier weiterhin ihrem Personal. Die Zufriedenheit mit der Produktivität überwiegt und nur rund zehn Prozent denken etwa wegen Zweifeln an der erbrachten Arbeitszeit und -leistung über Einschränkungen beim Homeoffice nach. Übergreifend hat die Wirtschaft an dieser Stelle aber eine große Herausforderung vor sich und muss wieder mehr für Motivation und Zufriedenheit bei allen Mitarbeitenden tun.



